Archiv Langfrist-Spezial




Gestörte Arctic Oscillation im Winter 2013/14?

Für die Erstellung saisonaler Vorhersagen existieren weltweit die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Methoden. So werden z.B. in den USA beim Atmospheric and Environmental Research (AER) alljährliche Winterprognosen für die Nordhalbkugel auf Basis der Schneebedeckung des eurasischen Kontinents im Oktober erstellt. In diversen Untersuchungen fand man dort heraus, dass ein hoch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Schneebedeckungsgrad Eurasiens im Oktober und der winterlichen Arctic Oscillation (AO) existiert. So scheint eine starke herbstliche Schneebedeckung über Nordeuropa und Asien jene Arktische Oszillation in den Folgemonaten abzuschwächen bzw. eine fehlende Schneedecke die Zirkulation zu verstärken.

Bild: Definition der AO als 1. Hauptkomponente (CPC - Climate Prediction Center)
Als Arktische Oszillation bezeichnet man eine großräumige Luftdruckschwingung der Atmosphäre, die durch den Druckgegensatz zwischen arktischen und mittleren bzw. subtropischen Breiten gekennzeichnet ist und über einen Index quantifiziert wird. So finden sich in Jahren mit abgeschwächter (gestörter) Zirkulation häufig Hochdruckgebiete in polaren und subpolaren Regionen, während niedrigere Breitengrade (vor allem die Bereiche der Azoren und Aleuten) vermehrt unter dem Einfluss tiefen Luftdrucks stehen. In dieser Konstellation ist die Wahrscheinlichkeit für Kaltluftvorstöße nach Süden stark erhöht. Im umgekehrten Fall spricht man von einer gesteigerten, ungestörten Zirkulation und über der Nordhalbkugel dominieren entlang der gesamten gemäßigten und subpolaren Breiten typische Westwinde.

Eine eigens durchgeführte Untersuchung im Zeitraum 1922 – 2012 bestätigt den oben angesprochenen Zusammenhang, wie folgende Tabelle deutlich macht. Hierfür wurde eine Vierfeldertafel erzeugt, wo die Fälle mit hoher und niedriger Schneebedeckung denen mit gesteigerter bzw. abgeschwächter AO gegenüber gestellt wurden.

Zur Signifikanzbestimmung wird bei Vierfeldertafeln der Chi-Quadrat-Test verwendet. Er gibt Aufschluss darüber, ob die beiden Variablen „Schneebedeckungsgrad“ und „AO-Index“ im Zusammenhang stehen. Der ermittelte Chi-Quadrat-Wert lieferte ein Ergebnis, was auf dem 99%-Level signifikant ist. Damit ist ein enger Zusammenhang statistisch nachgewiesen.

Besonders interessant ist nun der Umstand, dass der Oktober 2013 über dem eurasischen Kontinent den dritthöchsten (!) Schneebedeckungsgrad (12.85 Mio km²) seit 1922 aufzuweisen hatte. Daher ist anzunehmen, dass die atmosphärische Zirkulation mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in den kommenden Monaten abgeschwächt sein dürfte.
Auf dem ersten Blick scheint eine möglicherweise gestörte AO der Prognose eines eher milden Winters entgegen zu sprechen. Allerdings muss damit bei uns nicht zwangsläufig ein strenger Winter verbunden sein. Als Beispiel sei hier der Winter 1976/77 erwähnt. Damals herrschte drei Monate lang eine stark abgeschwächte Arktische Oszillation. Als Folge davon erlebte die gesamte Ostküste der USA von New York bis Chicago einen der strengsten Winter des Jahrhunderts, während dieser in Mitteleuropa dagegen völlig unauffällig, verbreitet sogar etwas zu mild, ausfiel.

Bild: Vierfeldertafel Schneebedeckung Eurasiens vs. AO-Index


© by Lars Thieme and Langfristwetter.com