Für die Erstellung saisonaler Vorhersagen existieren weltweit
die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Methoden. So werden z.B. in den USA
beim Atmospheric and Environmental Research (AER)
alljährliche Winterprognosen für die Nordhalbkugel auf Basis der Schneebedeckung
des eurasischen Kontinents im Oktober erstellt. In diversen Untersuchungen fand
man dort heraus, dass ein hoch signifikanter Zusammenhang zwischen dem
Schneebedeckungsgrad Eurasiens im Oktober und der winterlichen Arctic
Oscillation (AO) existiert. So scheint eine starke herbstliche Schneebedeckung
über Nordeuropa und Asien jene Arktische Oszillation in den Folgemonaten
abzuschwächen bzw. eine fehlende Schneedecke die Zirkulation zu verstärken.
Bild: Definition der AO als 1. Hauptkomponente (CPC - Climate Prediction Center)
Als Arktische Oszillation bezeichnet man
eine großräumige Luftdruckschwingung der Atmosphäre, die durch den
Druckgegensatz zwischen arktischen und mittleren bzw. subtropischen Breiten
gekennzeichnet ist und über einen Index quantifiziert wird. So finden
sich in Jahren mit abgeschwächter (gestörter) Zirkulation häufig
Hochdruckgebiete in polaren und subpolaren Regionen, während niedrigere
Breitengrade (vor allem die Bereiche der Azoren und Aleuten) vermehrt unter
dem Einfluss tiefen Luftdrucks stehen. In dieser Konstellation ist die
Wahrscheinlichkeit für Kaltluftvorstöße nach Süden stark erhöht. Im
umgekehrten Fall spricht man von einer gesteigerten, ungestörten Zirkulation
und über der Nordhalbkugel dominieren entlang der gesamten gemäßigten und
subpolaren Breiten typische Westwinde.
Eine eigens durchgeführte Untersuchung im Zeitraum 1922 – 2012 bestätigt
den oben angesprochenen Zusammenhang, wie folgende Tabelle deutlich macht.
Hierfür wurde eine Vierfeldertafel erzeugt, wo die Fälle mit hoher und
niedriger Schneebedeckung denen mit gesteigerter bzw. abgeschwächter AO
gegenüber gestellt wurden.
Zur Signifikanzbestimmung wird bei Vierfeldertafeln der Chi-Quadrat-Test
verwendet. Er gibt Aufschluss darüber, ob die beiden Variablen
„Schneebedeckungsgrad“ und „AO-Index“ im Zusammenhang stehen. Der ermittelte
Chi-Quadrat-Wert lieferte ein Ergebnis, was auf dem 99%-Level signifikant
ist. Damit ist ein enger Zusammenhang statistisch nachgewiesen.
Besonders interessant ist nun der Umstand, dass der Oktober 2013 über dem
eurasischen Kontinent den dritthöchsten (!)
Schneebedeckungsgrad (12.85 Mio km²) seit 1922 aufzuweisen hatte. Daher ist anzunehmen, dass
die atmosphärische Zirkulation mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in den
kommenden Monaten abgeschwächt sein dürfte. Auf dem ersten Blick
scheint eine möglicherweise gestörte AO der Prognose eines eher milden
Winters entgegen zu sprechen. Allerdings muss damit bei uns
nicht zwangsläufig ein strenger Winter verbunden sein. Als Beispiel sei hier der
Winter 1976/77 erwähnt. Damals herrschte drei Monate lang eine stark
abgeschwächte Arktische Oszillation. Als Folge davon erlebte die gesamte
Ostküste der USA von New York bis Chicago einen der strengsten Winter des
Jahrhunderts, während dieser in Mitteleuropa dagegen völlig unauffällig,
verbreitet sogar etwas zu mild, ausfiel.
Bild: Vierfeldertafel Schneebedeckung Eurasiens vs. AO-Index