Archiv Langfrist-Spezial




Der Winter 2011/12 – Trotz eisiger Kälte war er zu mild

Zunächst einmal ein paar generelle Worte zum abgelaufenen Winter: Entgegen den Meldungen einiger privater Wetterdienste war der Winter 2011/12 deutschlandweit etwas milder als im langjährigen Mittel, zumindest wenn man die offizielle Referenzperiode von 1961 - 90 oder einen anderen, sinnvollen Vergleichszeitraum wie 1951 - 2000 zu Rate zieht. Leider wird hinsichtlich der Referenzperioden gerne bei manch Wetteranbietern „getrickst“, indem eine relativ kurze und sehr warme Periode der letzten Jahre verwendet wird und so der Eindruck entsteht, der Winter sei ein völlig „normaler“ gewesen (s. Grafik). Dies ist allerdings der Seriosität nicht sehr dienlich, da hierdurch Vergleiche mit Winter der Vergangenheit unverhältnismäßig werden.


Daten: DWD (http://www.dwd.de)
Sehr ungewöhnlich bei diesem Winter war nun die Verteilung der Großwetterlagen, die man so in der Art und Weise kaum in den zurückliegenden Jahrzehnten wiederfindet und wo die Methoden der Langfristprognose an eine klare Grenze gestoßen sind. Während von Ende Januar bis Mitte Februar eine zweieinhalbwöchige Dauerfrostperiode mit teils extrem niedrigen Temperaturen herrschte, war die Zeit davor und danach fast durchweg von westlichen Winden und milden Luftmassen gekennzeichnet.

Interessant ist zunächst der Umstand, dass die hier im letzten Herbst gestellte Langfristvorhersage eines „etwas zu milden“ Winters in der Gesamtheit gut eingetroffen ist und somit die recht erfolgsversprechende Quote einer saisonalen Vorhersage erneut zur Geltung bringt. Was jedoch die Genauigkeit der einzelnen Monatsprognosen angeht, so besteht z.T. noch erheblicher Verbesserungsbedarf und es zeigt sich, wie schwierig langfristige Witterungsprognosen werden, wenn der Vorhersagezeitraum kleiner wird.

Während der Dezember trotz recht „kalter“ Prognose einen sehr milden Verlauf nahm, trat beim Februar exakt der umgekehrte Fall ein. Auffällig war vor allem das plötzliche Umschwenken der Wetterlage Mitte/Ende Januar von einer nahezu persistenten Westlage in eine länger andauernde, eisige Ostlage - verursacht durch ein massives und stabiles Hochdruckgebiet über Nordwestrussland. Jene Entwicklung war aufgrund der nordhemisphärischen Zirkulation der ersten Winterhälfte nicht zu erwarten und es dürfte in der Vergangenheit auch kein derartig gelagerter Fall zu finden sein. Meist zeigen sich in den Vormonaten schon gewisse Indizien in verschiedenen Regionen des Erdballs, die eine baldige Umstellung vermuten lassen, so z.B. auch vor dem extrem kalten Februar 1956. Dies war zuletzt jedoch gänzlich anders, so dass der Winter 2011/12 praktisch einen Präzedenzfall darstellen dürfte. Um derartige Fehlaussagen in Zukunft zu reduzieren, wird in Erwägung gezogen, die bisherigen Monatsprognosen demnächst nur noch als jeweils übergreifende Zwei-Monatsperioden darzustellen.


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