In regelmäßigen Abständen macht entlang des tropischen Pazifiks nahe der Küste Südamerikas
eine meteorologische Erscheinung auf sich aufmerksam, die in den Medien kurz als „El Nino“
bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine abnormale Erwärmung der Wassertemperaturen
im oben genannten Bereich. In anderen Jahren tritt jedoch ein gegenteiliger Effekt auf und
die Temperatur des Ostpazifiks ist auffallend niedrig (La Nina). Dieses wechselnde Phänomen
wird in der Meteorologie kurz unter dem Begriff ENSO (El Nino Southern Oscillation)
zusammengefasst und hat Auswirkungen auf die Witterung rund um den Globus.
Daten: DWD (http://www.dwd.de)
Derzeit
befinden wir uns mitten in einer La-Nina-Phase mit recht niedrigen
Temperaturen des Ostpazifiks und für die nächsten Monate wird noch mit
einer Verstärkung gerechnet. Aufgrund dieser Kenntnis lässt sich z.B. so
mit großer Wahrscheinlichkeit vorhersagen, dass weite Teile Alaskas,
sowie das westliche und südliche Kanada einen besonders kalten Winter
bekommen werden, während im Gegenzug die Südstaaten der USA einen zu
milden Winter erwarten dürfen. Auch Aussagen über die Witterung in
großen Teilen Asiens ist dadurch möglich. Viele internationale
Langfrist-Modelle bauen als Grundlage auf dem Datenmaterial und dem
aktuellen Zustand der ENSO-Region auf. Auf der abgebildeten Grafik sind
die Temperaturverhältnisse des Pazifiks der letzten Oktoberwoche
dargestellt.
Oftmals wird nun die Frage gestellt, inwieweit solch ein ENSO-Ereignis
auch Einfluss auf die Winter-Witterung Mitteleuropas hat. Um diesen
Aspekt genauer zu beleuchten, wurde eine Signifikanzprüfung mittels
einer sogenannte Kontingenztafel durchgeführt. Dazu wurden die
vergangenen 111 Jahre (seit 1900) in 3 Gruppen aufgeteilt: „La Nina
Jahr“, „Normales Jahr“ und „El Nino Jahr“. Die Gruppengrenzen wurden
dabei so angelegt, dass die Anzahl der Jahre in jeder Gruppe gleich groß
(37) ist. Anschließend erfolgte auf gleichem Wege eine Aufteilung der
nachfolgenden Winter Mitteleuropas in die 3 Gruppen „streng“, „normal“
und „mild“.
Zur Spezifizierung von ENSO gibt es verschiedene Indexe, die die
Intensität eines ENSO-Ereignisses charakterisieren sollen. Die hier
verwendeten Daten beziehen sich auf den sogenannten NINO3-Index, welcher
die mittleren Wassertemperaturen entlang des Äquators im Bereich
zwischen 5°N und 5°S, sowie 150°W und 90°W wiedergibt. Als Zeitraum
wurde die Periode August-Oktober gewählt. Die nachfolgende Tabelle macht
die Auswertungen deutlich.
So folgte z.B. im untersuchten Zeitraum
in 15 von insgesamt 37 La Nina-Jahren ein strenger Winter in
Mitteleuropa. In 12 Jahren war er dagegen mild. Als
Erwartungswert gilt für jede Zelle ein Wert von 12,3. Jede
stärkere Abweichung nach oben oder unten stellt somit eine
Auffälligkeit dar. Bereits auf den ersten Blick ist jedoch keine
ungewöhnliche Häufung oder Minderung in den einzelnen Zellen zu
erkennen.
Auch eine Signifikanzprüfung unter Verwendung des Chi-Quadrat-Tests
ergab ein klar nicht-signifikantes
Ergebnis von p = 0.544, so dass sich kein statistischer Zusammenhang
nachweisen lässt. Eine Aussage bezüglich der Wintertemperatur
Mitteleuropas ist somit allein durch ENSO
nicht möglich.