Wie jedes Jahr im Spätherbst wächst in der Öffentlichkeit das Interesse über den Verlauf
des bevorstehenden Winters. Vor allem in den Medien machten bereits Aussagen die Runde, dass
z.B. nach amerikanischen Vorhersagemodellen Mitteleuropa wieder ein kalter Winter bevorstünde.
Einige russische Forscher wollen sogar aufgrund sich abschwächender Golfstromzirkulation einen
der kältesten Winter der letzten 1000 Jahre kommen sehen. Manchmal hört man auch nur von der
These, dass ein kalter September/Oktober ein Indiz für einen strengen Winter sei. Um diese
Aussage statistisch zu prüfen, wurde eine entsprechende Häufigkeitstabelle angelegt. Darin
hinterlegt sind seit 1900 alle Kombinationen, in denen ein mindestens 0.5 K zu kalter/warmer
September/Oktober auftrat und dabei der anschließende Winter betrachtet wird. Das erste Adjektiv
in der Kopfzeile bezieht sich auf den September, das Zweite auf den Oktober. Kursiv hinterlegt
sind zudem die normal zu erwarteten Häufigkeiten des jeweiligen Winterereignisses.
Wie ersichtlich ist, treten nach der Kombination kalter September/kalter
Oktober strenge Winter weder auffällig oft, noch besonders selten auf.
Folglich kann zu der angesprochenen Kombination
keine Auskunft für den
Winter getroffen werden. Signifikant ist allenfalls die Aussage, dass nach
einem warmen September und Oktober eher die geringe Neigung zu milderen
Winter besteht.
Um die generelle Aussagefähigkeit der Tabelle zu überprüfen, wurde ein sogenannter
Chi-Quadrat-Test durchgeführt. Als Ergebnis dieses Tests resultierte eine Irrtumswahrscheinlichkeit
von 9,9 %, was bedeutet, dass im statistischen Sinne
keine Signifikanz vorliegt und somit kein
Zusammenhang zwischen verschiedenen Kombinationen einer besonders kalten und/oder warmen
September- bzw. Oktoberwitterung und der Wintertemperatur zu erwarten ist.
Würde der Winter 2010/11 erneut zu kalt ausfallen, wäre es bereits der dritte zu kalte Winter in Folge.
Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis ist zwar nicht allzu hoch anzusiedeln, jedoch kamen
solche Fälle in der Vergangenheit bereits vor. So waren die drei Kriegswinter 1939/40 bis 1941/42 allesamt
sogar sehr kalt. In den 50er Jahren machten die Winter 1953/54 bis 1955/56 als Strenge ihrer Art von sich
reden, wobei mancher vor allem den extrem kalten Februar 1956 noch in Erinnerung haben dürfte. Auch in
jüngerer Vergangenheit (1984/85 – 1986/87) trat diese Erscheinung auf.
Interessant ist außerdem, dass das Jahr 2010 in Deutschland zum ersten Mal seit 1996 wieder als ein zu
kaltes
Jahr eingehen könnte. Derzeit liegt das Temperaturmittel in Leipzig um 0.5 K unter dem langjährigen
Durchschnittswert der Periode 1951 - 2005. Allerdings sei gesagt, dass diese Entwicklung nur für Mitteleuropa
gilt, jedoch nicht global gesehen. Gemessen an den Daten weltweit dürfte 2010 wieder als ein sehr warmes Jahr
in die Klimahistorie eingehen. Damit werden auch Spekulationen zerstört, die Vulkanausbrüche im April auf Island
könnten das Weltklima beeinflussen. Um einen globalen Temperaturrückgang zu registrieren müssten Untersuchungen
zufolge mindestens 3 Mio Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre befördert werden. Dies war jedoch beim
Island-Vulkan bei weitem nicht der Fall, wo schätzungsweise nur 5000 Tonnen Schwefeldioxid ermittelt wurden.
Der Großteil der riesigen Aschewolke bestand nur aus Wasserdampf, welcher jedoch kaum klimarelevante Einflüsse
nach sich zieht.