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Milder Winter in Sicht?

Neben der oben beschriebenen Prognose gibt es sicherlich noch weitere Möglichkeiten eine statistisch abgesicherte Witterungsvorhersage für den Winter 2008/09 abzugeben. Eine davon ist die Anwendung langjährig bewährter Witterungsregeln, die darauf beruhen, dass bei Erfüllung bestimmter Vorbedingungen in der Vergangenheit jeweils anschließend ein ähnlicher Großwitterungstyp eintrat.

So untersuchte Franz Baur vor längerer Zeit den Zusammenhang zwischen der Witterung Mittel- und Osteuropas im September bzw. des letzten Septemberdrittels und dem Temperaturgepräge im darauffolgenden Winter. Die Annahme dabei war, dass eine übersteigerten Altweibersommer-Zirkulation (starker Hochdruckeinfluss) vor allem im letzten Septemberdrittel zu einer zunehmenden Zonalisierung im Winter mit überwiegend milderen Temperaturen führt. Deshalb überprüfte Baur jene Jahre, wo der Luftdruck im genannten Zeitraum über Mittel- und Osteuropa besonders hoch war und fand einen Zusammenhang, den er in folgender Regel wiedergegeben hat:

Wenn im letzten Septemberdrittel der mittlere Luftdruck in Potsdam und Moskau über dem Regelwert, in Moskau um mehr als 2,0 hPa darüber liegt, und wenn in Moskau auch der mittlere Luftdruck des gesamten September höher als normal ist, dann kann mit hoher Wahrscheinlichkeit in Mitteleuropa ein Winter erwartet werden, dessen mittlere Temperatur über dem Regelwert liegt.

Die abgebildete Tabelle zeigt die betroffenen Jahre samt Temperaturabweichung des folgenden Winters. 

Jahr

Abweichung Wintertemperatur

1901

+0.7 K

1902

+0.6 K

1904

+0.4 K

1909

+1.4 K

1912

+1.1 K

1913

+0.4 K

1920

+1.7 K

1926

+0.7 K

1929

+1.5 K

1937

+0.6 K

1938

+0.7 K

1947

+1.5 K

1949

+1.5 K

1960

+1.5 K

1961

+0.4 K

1971

+1.0 K

1977

+0.4 K

1989

+3.6 K

1992

+1.0 K

2000

+2.1 K

2003

+1.3 K

2005

-0.7 K

Seit 1900 war in 21 von 22 Fällen nach genannten Vorbedingungen der darauffolgende Winter milder als normal. Da die Grundwahrscheinlichkeit für einen zu milden Winter im Zeitraum 1900 – 2008 bei 0,6 (60%) liegt, beträgt die Erwartung, in 22 Fällen auf 21 milde Winter zu stoßen, weniger als 0,01 %.
Dieser Wert ist statistisch hochsignifikant und kann nicht mehr mit Zufall erklärt werden, so dass ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen den angesprochenen Messgrößen vorhanden sein muss und die Regel auf jeden Fall für eine Vorhersage angewendet werden kann.

Fazit: Die Vorbedingungen dieser Regel waren im September 2008 allesamt erfüllt, so dass auch regeltechnisch mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem zu milden Winter 2008/09 ausgegangen werden muss, was die Prognosen von Haupt- und Alternativmethode bestätigen würde. 

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