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Wie bereits im Vorfeld schon
angedeutet werden als Langzeitprognosen alle Vorhersagen bezeichnet, die über
10 Tage hinausgehen. Viele Menschen sind jedoch immer noch der Ansicht, dass
längerfristige Prognosen aufgrund der sogenannten "Chaostheorie" der
Atmosphäre unmöglich und demzufolge auch unseriös sind. Oftmals hört man auch
den Standpunkt, dass Langfristprognosen deshalb hinfällig seien, da mitunter
schon die Vorhersage für die nächsten Tage daneben liegt und sich somit eine
Prognose über einen noch längeren Zeitraum erübrigt. Dieses Denken ist jedoch
grundsätzlich falsch !
Zunächst einmal muss man
Langfristprognosen von den kurz- und mittelfristigen Vorhersagen klar
abgrenzen, da es bei der langfristigen Prognose in erster Linie darum geht,
die allgemeine Witterungstendenz einer Monatshälfte, eines ganzes Monats oder
gar einer Jahreszeit wiederzugeben und nicht eine konkrete Vorhersage für
einen bestimmten Tag zu erstellen, wie dies bei der üblichen Wettervorhersage
für die nächsten Tage der Fall ist. Es wird also niemals möglich sein
schon im September oder Oktober zu sagen, ob das folgende Weihnachtsfest
"weiß" oder doch wieder "grün" ausfällt.
Eine Punktprognose für
einen bestimmten Tag X ist langfristig nicht möglich.
Daher erfolgt auch die
Erstellung beider Vorhersagen auf vollkommen unterschiedlichem Wege. Während
die langfristige Prognose auf statistische Untersuchungen und Vergleiche mit
der Vergangenheit angewiesen ist (Analogie), wird bei kurzfristigen
Vorhersagen der Zustand und das Verhalten der Atmosphäre mit Hilfe von
physikalischen Formeln jeweils für die nächsten Stunden simuliert und
berechnet. Dass die Atmosphäre nicht vollends "chaotisch" sein kann, sondern
es sich dabei um ein großräumiges, hochkompliziertes System handelt, in dem
durchaus geordnete Verhältnisse vorherrschen, beweisen doch mehrere immer
wieder eintreffende Witterungsregeln, wie z.B. die Januarregel von Franz Baur:
"Ist der
Oktober in Deutschland sehr warm und trocken, kann mit hoher
Wahrscheinlichkeit ein zu kalter Januar erwartet werden."
Diese Regel besitzt eine
Eintreffwahrscheinlichkeit von 90 % bei einer Vielzahl von beobachteten Fällen
und kann daher als hochsignifikant angesehen werden. Solche Statistiken
beweisen aber, dass physikalische Zusammenhänge in der Atmosphäre tatsächlich
existieren. Hintergrund solcher Erfahrungssätze sind vor allem die Erhaltungs-
bzw. Wiederholungsneigung der Atmosphäre zu bestimmten Zeitpunkten, ebenso der
"Hang" zu grundlegenden Änderungen des Strömungsmusters bei speziellen
Ausgangsbedingungen. Auf dieser Grundlage lässt sich weiter aufbauen. Ziel
sollte deshalb sein, weitere Forschungen auf diesem Gebiete zu betreiben und
dabei die Ergebnisse ständig zu verbessern. Der vielzitierte
"Schmetterlingseffekt", den die Verfechter der Chaostheorie gerne benutzen, um
langfristige Vorhersagen als nichtig zu bezeichnen gehört somit ins Reich der
Fabeln. Er beinhaltet im übertriebenen Sinne, dass der Flügelschlag eines
Schmetterlings auf einem Kontinent A ein schweres Unwetter einige Tage später
auf einem Kontinent B zur Folge hat. Damit soll ausgedrückt werden, dass sehr
kleine, unbedeutende und unerwartete Veränderungen irgendwo in der Atmosphäre
große Auswirkungen auf das gesamte Wetter in der Folgezeit haben. Da jedoch
auch das hochkomplizierte "System Atmosphäre" stets auf Ausgleich bedacht ist,
muss eine großräumige und ordnungsgebundene Zirkulation existieren. Die
Unterschiede der mittleren Jahrestemperatur zwischen den wärmsten und den
kältesten Jahren betragen in Mitteleuropa gerade mal 3,5 bis 4 K. Ohne
ausgleichende Wirkung und ohne geordnete Verhältnisse der Atmosphäre wäre die
Amplitude der Jahresmitteltemperatur viel größer.
Dennoch existieren in der Atmosphäre etliche Größen und Gesetzmäßigkeiten, die derart komplex
miteinander verbunden und schwierig zu erfassen sind, dass sie zu unerwarteten
Änderungen eines bestimmten Verhaltensmusters führen können und damit zum
Eintreten eines gegensätzlich prognostizierten Witterungsablaufes. Zudem
sollte nicht vergessen werden, dass langfristige Prognosen wie auch die
alltäglichen Wettervorhersagen niemals eine 100 %-ige oder nur annährend so
hohe
Eintreffwahrscheinlichkeit liefern können. Genauso wenig werden
Langfristprognosen jemals im Stande sein, extreme Witterungsereignisse richtig
vorherzusagen, da bei der Erstellung statistische Mittelwerte zurückliegender
Jahre verwendet und somit "Ausreißer" nur schwer erfasst werden. Fehlprognosen werden daher auch in
Zukunft zum Alltag der Meteorologie gehören. Dies sollte aber kein Grund sein
an der generellen Möglichkeit einer Langfristprognose zu zweifeln.
Abschließend noch ein paar
Worte zu den vielfältigen Methodikmöglichkeiten, die die Erstellung einer
Langfristprognose bietet:
1. Korrelationsbeziehungen
zwischen Luftdruck- bzw. Temperaturanomalien auf der Nordhalbkugel und der
Temperatur über Mitteleuropa in den nachfolgenden Monaten. Über die
Korrelationsrechnung wird dann die voraussichtliche Temperatur eines zu
vorhersagenden Monats ermittelt. Nähere Infos dazu
hier.
Entwicklung dieser Methode allerdings sehr aufwendig ! Zu den angegeben
Prognosewerten (z.B. +0.5 K oder -1.0 K) sei noch ein Wort gesagt: Es handelt
sich nicht um exakte Prognoseangaben, sondern lediglich um Tendenzen einer
Vorhersage, ob z.B. eine stärkere oder schwächere Anomalie für den Monat zu
erwarten ist. Ebenso kann man den Grad der Abweichung auch als
Wahrscheinlichkeitsfaktor auffassen. Wird beispielsweise ein Monat mit einer
starken positiven Anomalie vorhergesagt, so ist die Wahrscheinlichkeit eines
generell "zu warmen" Monats größer, als wenn die berechnete Abweichung nur
geringfügiger Art gewesen ist.
2. Analogie-Methode -
hier wird versucht aus den Luftdruckverteilungen der letzten Monate ähnliche
Fälle in vergangenen Jahren zu finden und aus deren Weiterentwicklung auf die
Verteilungen von Druck und Temperatur in den nächsten Monaten zu schließen.
Vorteil: Weniger aufwendig und auch leicht auf andere Regionen übertragbar.
Dieses
Prognosesystem befindet sich zwar beim Autor noch im experimentellen
Stadium, liefert aber dennoch schon sehr beachtliche Ergebnisse.
3. Statistische
Witterungsregeln: In diesem Bereich hat sich vor allem Prof. Dr. Franz
Baur einen Namen gemacht. Er untersuchte zwischen den 40er und 70er Jahren
eine Vielzahl von Zusammenhängen und stellte ein große Anzahl von
statistischen Witterungsregeln auf von denen die Meisten auch heute noch hohe
Gültigkeit besitzen. Ein typisches Beispiel hierfür ist die oben beschriebene
Januarregel. Soweit möglich, finden solche Regeln auch bei den Vorhersagen des
Autors Anwendung.
4. Rhythmen - wie sich
schon häufig in der Vergangenheit gezeigt hat, folgte nach Ablauf
bestimmter Perioden auf ein Hoch- bzw. Tiefdruckgebiet an gleicher Stelle ein
neues Hoch bzw. Tief. Diese Rhythmen sind allerdings noch weitestgehend
unerforscht, da sie einerseits noch wenig bekannt sind und andererseits ein
recht großer Arbeitsaufwand dafür nötig ist. Im Allgemeinen zeigten sie jedoch
bei Versuchen keine befriedigenden Resultate.