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Modellverfahren

 

Einleitung: Die North Atlantic Oscillation (NAO) hat einen sehr großen Einfluss auf das Wetter, die Witterung und die Temperatur in Mitteleuropa.
Die Luftdruckverhältnisse im isländischen Gebiet und Azorenraum stellen die Intensität der NAO dar.
Untersuchungen ergaben, dass zwischen den Luftdruckverteilungen (genauer: den Druckanomalien gegenüber langjährigen Mittelwert) im nordatlantischen Sektor und der Temperatur Mitteleuropas in den nachfolgenden Monaten gewisse mathematische Beziehungen bestehen.

Daraus entwickelte sich die Idee, die Luftdruckanomalien im nordatlantischen Raum zur langfristigen Monatsprognose anzuwenden. Da jedoch nicht immer hohe Signifikanzen in jenem Sektor existieren, musste das Forschungsgebiet auf andere Regionen, wie Grönland, Europa, Westasien, Nordamerika und zuletzt sogar auf die südliche Hemisphäre erweitert werden. Diese Untersuchungen zeigten vor allem, dass auch die meteorologischen Gegebenheiten auf der südlichen Halbkugel einen großen Einfluss auf unsere Witterung haben und nicht vernachlässigt werden sollten. Da das Verfahren Anfang 2004 automatisiert wurde, konnte der Beobachtungszeitraum von ursprünglich 1961-2000 auf 1949-2003 erweitert werden.
Mit der automatischen Verarbeitung soll die Effektivität der Prognosen noch weiter erhöht und der zeitlich bisher große Aufwand deutlich verringert werden, so dass jetzt auch Prognosen für andere Teile Europas problemlos möglich sind.
 

   Verlauf:

  • Korrelierung der monatlichen Luftdruckdaten (Prediktoren) an jedem 5°x5°- Gitterpunkt der Nord- bzw. Südhemisphäre mit der Temperatur (Prediktand) in Mitteleuropa in einem Folgemonat im Untersuchungszeitraum 1949 bis 2003. Für die Druckdaten bedeutet dies 1997 Datensätze (Prediktoren) pro Vormonat (der Bereich Himalaja/Tibet wurde bei der Analyse nicht mit berücksichtigt, da es bei der Reduktion der Daten auf Normalnull wahrscheinlich zu fehlerhaften Angaben kam) - dieser Vorgang wird durch ein Programm automatisch erledigt

  • Durchführung des genannten Schrittes auch mit den jeweiligen 6 Vormonaten

  • Extraktion sämtlicher Prediktoren, die mit dem Prediktanden um mindestens 0.32 korrelieren (willkürliche Festlegung), was immerhin einem 99 %-Signifikanz-Level entspricht

Als (sehr vereinfachtes) Beispiel sei hier der Auszug einer signifikanten Beziehung dargestellt. Die zweite Spalte gibt dabei die Luftdruckanomalie am Gitterpunkt 50°N 10°O (Mitteleuropa) im Oktober an, während Spalte drei die Temperaturabweichung des Monats Januar in Berlin kennzeichnet. Rechts unten ist der daraus resultierende Korrelationskoeffizient eingeblendet. Dass dieser Wert von fast 0,47 übersignifikant ist, wird dadurch nachgewiesen, dass der Koeffizient seinen mittleren Fehler bei einer Anzahl von 35 Jahren (1961-95) um das 3,44-fache übersteigt, die Signifikanzgrenze laut Baur aber beim Zweifachen des mittleren Fehlers liegt. Dies bedeutet, dass der betreffende Zusammenhang zu 99,7 % physikalischer Natur ist und somit nicht als rein zufällige Erscheinung gedeutet werden darf. Oder anders ausgedrückt: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,7 % wird das Vorzeichen dieser Korrelation ( - ) auch in einem anderen Zeitraum mit dem hiesigen identisch sein.
Viele solcher Prediktoren mit ähnlichem Informationsgehalt werden mittels EOF-Analyse in neue, wenigere Variablen zusammengefasst. Entscheidend dabei ist, dass ein Großteil der in den Prediktoren enthaltenen Informationen erhalten bleibt. Über eine lineare Beziehungsgleichung (multiple Regression) wird anschließend unter Einbezug der neu entstandenen Variablen X1, X2 usw. die bedingte Veränderliche Y berechnet, welche die voraussichtliche Abweichung der Mitteltemperatur des vorherzusagenden Monats (im Bsp.: Januar) ergibt.
 

PS: Der abgebildete Korrelationskoeffizient ist das Ergebnis der Untersuchungsperiode 1949-01 des vollständigen Datensatzes, welcher hier nur auszugsweise vorzufinden ist.

  • Durchführung einer Faktorenanalyse (EOF-Analyse) - dabei werden die Informationen aus einer Vielzahl von Variablen (Prediktoren) komprimiert und in Form neuer und deutlich weniger Variablen ausgedrückt

  • dadurch wird die Überbetonung eines zusammengehörigen Variablenkomplexes vermieden, ebenso wie eine starke Beeinflussung von einzelnen, ursprünglichen Variablen auf die Berechnung

  • Auswertung ist so angelegt, dass aus den ursprünglichen Prediktoren jeweils immer 10 neue Variablen gebildet werden

  • Errechnung der zugehörigen Koeffizienten über eine multiple lineare Regression, dafür werden alle 10 neu gebildeten Variablen verwendet à Variablen sind untereinander alle unkorreliert, daher keine Überbetonung einzelner Variablenvarianzen möglich

  • Berechnung weiterer statistischer Größen u.a. erklärte Varianz und mittlerer Fehler der Prognose

  • Berechnung der voraussichtlichen Anomalie über die Koeffizienten bzw. deren eingepasster linearer Gleichung (multiple lineare Regression)
     
Die voraussichtliche Abweichung Y der Monatsmitteltemperatur ergibt sich aus folgender Formel: 

Y = K + (C1*X1) + (C2*X2) + (Cn*Xn)

K.......Konstante (Schnittpunkt mit der Ordinate)
C.......berechneter Beziehungskoeffizient
X.......unabhängige Variable (Daten der Beziehungspunkte)

Eine ausführliche Abhandlung des beschriebenen Verfahrens ist als pdf-Datei abrufbar.


    Vorteil

  • liefert nachweißlich mit eine der besten und genauesten Werte im Bereich Langfristprognose
  • weiter ausbaufähig durch Hinzuziehen anderer Elemente, z.B. Temperatur, Geopotential aus verschiedenen Schichten, Wassertemperaturen usw.
  • relativ einfache Berechnung
  • Prognosen klar definiert und dadurch problemlos verifizierbar
  • aus Art und Wert der prognostizierten Abweichung lassen sich andere Größen, wie z. B. Anzahl der Sommer- oder Frosttage berechnen 
  • über die Gauß - Normalverteilungskurve lassen sich auch Angaben über die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens eines prognostizierten Wertes machen

    Nachteil
     

  • großer Arbeitsaufwand für die Prognose anderer Regionen
  • Signifikanzgebiete bzw.-zusammenhänge physikalisch oftmals nicht erklärbar
  • Scheinkorrelationen (unechte physikalische Zusammenhänge) sind nicht auszuschließen
  • eventuelle Instabilität bei den Prognosen d.h. Änderungen einer Prognose im Verlauf der Monate nicht selten

     
    Für weitere Fragen steht Ihnen der Autor gern zur Verfügung.

     

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